Würdigung

Es gibt Menschen, die sammeln aus dem Verlangen nach Prestige oder aus dem Wunsch heraus, etwas Wertvolles zu besitzen. Und dann gibt es jene seltenen Typen, die sammeln, weil sie gar nicht anders können – weil in ihnen eine Neugierde entflammt ist, die niemals erlischt. Zu dieser zweiten Sorte gehört Manfred Brösamle, dessen riesige Post- und Ansichtskartensammlung untrennbar mit dem visuellen Gedächtnis der Stadt Nagold verbunden ist.

Schon als Jugendlicher entdeckte er die Magie der Ansichtskarte. Während andere Gleichaltrige Poster von Rockbands sammelten, stand er an Flohmarktständen, stöberte in verstaubten Schachteln und hielt inne, sobald er eine Karte fand, die ihn ansprach. Nicht wegen ihres materiellen Wertes, sondern wegen des eingefrorenen Augenblicks, den sie verkörperte. Sie ließ ihn wie durch ein kleines Fenster in eine Welt blicken, die längst vergangen war.

Mit den Jahren wurde aus dieser jugendlichen Neugier eine lebenslange Leidenschaft. Er tauschte Karten mit Sammlern aus ganz Deutschland, schrieb Briefe, verhandelte, suchte, forschte. Auf Auktionen hob er die Hand, um ein weiteres Puzzlestück der Nagolder Geschichte zu ergattern.

So wuchs seine Sammlung zu einem Schatz heran, der weit über das hinausgeht, was ein einzelner Mensch normalerweise zusammenträgt. Es sind rund 2000 Karten, aufbewahrt in eigens angefertigten Alben, die in feuerfesten Schränken stehen. Ein visuelles Archiv der Stadt Nagold, das 150 Jahre Geschichte umfasst: Straßenzüge, die verschwunden sind; Gebäude, die sich verändert haben; Menschen, deren Alltag heute oft fremd wirkt und nur noch manch Älterem vertraut erscheint.

Die Digitalisierung dieses Schatzes und dessen Einbettung in eine funktionsreiche Webapplikation markiert einen Wendepunkt. Was einst nur wenigen Eingeweihten zugänglich war, öffnet sich nun allen, die sich für die Geschichte ihrer Stadt interessieren. Die digitalen Replikate machen sichtbar, wie Nagold sich gewandelt hat – und was geblieben ist. Sie erlauben es, Vergleiche anzustellen, Erinnerungen aufzufrischen, Neues zu entdecken. Und sie bewahren Brösamles Werk für kommende Generationen, unabhängig von Papieralterung oder physischer Vergänglichkeit.

Doch diese Digitalisierung ist mehr als ein technischer Vorgang. Sie ist eine Würdigung. Sie macht deutlich, dass ein einzelner Mensch, der seiner Leidenschaft treu bleibt, ein kulturelles Erbe schaffen kann, das weit über sein eigenes Leben hinausreicht. Manfred Brösamle hat nicht gesammelt, um zu besitzen. Er hat gesammelt, um zu bewahren. Und nun, da seine Karten in digitaler Form allen offenstehen, erfüllt sich genau das, was seine Leidenschaft im Kern ausmacht: etwas lieb haben und mit anderen teilen – eben wahre Liebhaberei.

Hinweise des Autors

Maxime bei der Digitalisierung war für mich, die Sammlung so zu zeigen, wie sie ist (nur das letzte Album mit seinen Vergleichen ist eine Zugabe von mir). Daher wurde immer ein komplettes Albumblatt digitalisiert, nicht jede Postkarte für sich. Dadurch bleiben auch die Beschriftungen und Notizen erhalten.

Wenn auf dem Blatt viel Leerraum war, wurde dieser so beschnitten, dass das Ergebnis weniger leer, d.h. harmonischer aussieht und wenn die Rückseite eines Blattes ausnahmsweise leer war, so wurde sie nicht aufgenommen.

Die Albumblätter wurden selbstverständlich hoch aufgelöst reproduziert, so dass keinerlei Information verloren geht. Daher kann jedes Blatt mit dem eigens programmierten Bildbetrachter detailliert untersucht werden. Drehen am Mausrad oder Spreizen mit den Fingern am Touchscreen lassen es zu, tief in das Bild einzutauchen. So werden Details sichtbar, die sich beim normalen Betrachten nur schwer offenbaren.

Manchmal bietet der Bildbetrachter links oben den Schalter Ebene 2 an. Ein Klick darauf holt ein weiteres Bild mit zusätzlichen Informationen, z.B. Orientierungspfeilen.

Weitere Funktionen wie Recherchieren und Einsammeln sind vorhanden und erschließen sich dem interessierten Nutzer hoffentlich rein intuitiv. Falls nicht, möge er mit dem Autor (siehe Impressum) Kontakt aufnehmen.